Rasche Genesung mit Gelenksfitplus+: früh mobil nach Hüft- oder Knieprothese
Nach einer Hüft- oder Knieoperation möchten viele Patientinnen und Patienten möglichst bald wieder sicher aufstehen, gehen und ihren Alltag selbstständig bewältigen. Gleichzeitig stellen sich wichtige Fragen: Ist frühe Mobilisation sicher? Bedeutet Gelenksfitplus+ eine besonders rasche Entlassung? Und was steckt hinter dem Programm Gelenksfitplus+ am Evangelischen Krankenhaus Wien?
Kurz erklärt:
Priv.-Doz. DDr. Maximilian Kasparek, MSc ist Oberarzt an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus Wien und auf Hüft- und Knieendoprothetik spezialisiert. In seiner Wahlarztordination in Wien 1180 berät er Patientinnen und Patienten zur Wahl des geeigneten Gelenkersatzes, zum Operationsablauf und zur Nachbehandlung.
Dr. Kasparek über Gelenksfitplus+:
„Gelenksfitplus+ bedeutet nicht, dass die Heilung überstürzt wird. Entscheidend ist ein klar abgestimmter Behandlungspfad, der eine frühe Mobilisation unterstützt und gleichzeitig die individuelle Sicherheit berücksichtigt.“
Was bedeutet Gelenksfitplus+ bei einer Gelenkoperation?
In der Medizin wird dafür häufig auch der Begriff Fast Track oder ERAS verwendet. ERAS steht für „Enhanced Recovery After Surgery“, also eine verbesserte Erholung nach einer Operation.
Gemeint ist nicht eine einzelne Technik. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler aufeinander abgestimmter Maßnahmen vor, während und nach dem Eingriff. Internationale ERAS-Empfehlungen nennen unter anderem eine gute Patienteninformation, geeignete Anästhesieverfahren, eine multimodale – also aus mehreren Bausteinen bestehende – Schmerztherapie und frühe Mobilisation. Kein einzelner Operationszugang, kein bestimmtes Implantat und auch keine technische Unterstützung kann den gesamten Behandlungspfad ersetzen.
Was ist das Gelenksfitplus+-Programm?
Gelenksfitplus+ ist der standardisierte Fast Track- beziehungsweise ERAS-Behandlungspfad für geplante Hüft- und Knieprothesen am Evangelischen Krankenhaus Wien. Das Programm wird dort seit 2025 eingesetzt. Es umfasst vier zentrale Elemente:
- standardisierte Vorbereitung vor der Operation,
- evidenzbasierte Anästhesie- und Schmerzkonzepte,
- konsequente, angeleitete Frühmobilisation ab dem Operationstag, sofern dies medizinisch möglich ist,
- enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzteteam, Anästhesie, Pflege, Physiotherapie und weiteren beteiligten Berufsgruppen.
Bis Juli 2026 waren laut programminterner Dokumentation rund 300 Patientinnen und Patienten nach Hüft- oder Knieprothesenoperation in das laufende Evaluationsprojekt eingeschlossen. Untersucht werden unter anderem Verweildauer, Frühmobilisation, Komplikationen, Wiederaufnahmen und Ressourceneinsatz.
Wichtig:

Gelenksfitplus+ verbindet Vorbereitung, Operation, Frühmobilisation und sichere Entlassungsplanung.
Quelle: KI-generiert.
Wie läuft der Weg zu meinen neuen Hüft- oder Kniegelenk mit Gelenksfitplus+ ab?
1. Vorbereitung vor der Operation
Der Behandlungspfad beginnt bereits vor dem Operationstag. Patientinnen und Patienten erhalten klare Informationen zum Eingriff, zur Mobilisation und zur Zeit danach. Vorerkrankungen, Medikamente, Narkoserisiken und die persönliche Lebenssituation werden berücksichtigt. Welche Untersuchungen oder vorbereitenden Maßnahmen erforderlich sind, wird individuell festgelegt.
2. Operation, Anästhesie und Schmerztherapie
Operationsverfahren, Implantat und Anästhesie werden passend zur Diagnose und zu den persönlichen Voraussetzungen gewählt. Ein abgestimmtes Schmerzkonzept soll Beschwerden ausreichend kontrollieren und gleichzeitig eine frühe Bewegung ermöglichen. „Multimodal“ bedeutet, dass verschiedene Maßnahmen kombiniert werden, statt sich nur auf ein einzelnes Schmerzmittel zu verlassen.
3. Erste Mobilisation am Operationstag
Wenn Kreislauf, Schmerzen und allgemeiner Zustand es erlauben, beginnt die Mobilisation bereits am Tag der Operation. Unter Anleitung werden zunächst sichere Bewegungsabläufe geübt: aufsetzen, aufstehen, kurze Strecken mit einer geeigneten Gehhilfe zurücklegen und alltägliche Transfers bewältigen. Ist eine Mobilisation am selben Tag aus medizinischen oder organisatorischen Gründen nicht möglich, wird sie entsprechend angepasst. Das ist kein Misserfolg des Programms.
4. Entlassung nach funktionellen Kriterien
Gelenksfitplus+ setzt keinen fixen Entlassungstag für alle voraus. Entscheidend ist, ob die medizinischen und funktionellen Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu können ein stabiler Kreislauf, eine ausreichend kontrollierte Schmerzsituation, eine unauffällige Wunde sowie sicheres Gehen und die notwendigen Alltagsbewegungen gehören. Auch die Versorgung zu Hause und der weitere Rehabilitationsplan werden einbezogen.
Welche Vorteile kann ein Fast-Track-Programm haben?
Gut umgesetzte ERAS-Programme können die frühe funktionelle Erholung unterstützen und unnötige Verzögerungen im Behandlungsablauf vermeiden. Internationale Studien und Leitlinien zeigen, dass frühe Rehabilitation die Krankenhausverweildauer verkürzen kann. Ein strukturierter Ablauf verbessert zudem die Abstimmung zwischen den Berufsgruppen und bindet Patientinnen und Patienten aktiv ein.
Wichtig ist die richtige Einordnung: „schneller“ bedeutet nicht, dass Heilung erzwungen wird oder Risiken verschwinden. Es geht darum, evidenzbasierte Maßnahmen zum passenden Zeitpunkt einzusetzen und die Entlassung erst dann zu planen, wenn sie medizinisch vertretbar ist.
Ist Gelenksfitplus+ für alle Patientinnen und Patienten geeignet?
Gelenksfitplus+ richtet sich an Patientinnen und Patienten mit einer geplanten Hüft- oder Knieprothese. Ob alle Elemente wie vorgesehen umgesetzt werden können, hängt unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen, der körperlichen Ausgangslage, dem konkreten Eingriff und dem Verlauf nach der Operation ab.
Ein höheres Alter allein schließt einen strukturierten Behandlungspfad nicht automatisch aus. Bei erhöhtem medizinischem Risiko, eingeschränkter Mobilität oder fehlender Unterstützung zu Hause kann jedoch eine Anpassung notwendig sein. Die Entscheidung erfolgt immer individuell durch das behandelnde Team.
Was Gelenksfitplus+ nicht bedeutet
- Keine Entlassung um jeden Preis: Sicherheit und funktionelle Kriterien gehen vor.
- Keine Schmerzfreiheit ab dem ersten Tag: Beschwerden nach einer Operation sind möglich und werden behandelt.
- Keine einheitliche Belastung für alle: Wie stark das operierte Bein belastet werden darf, richtet sich nach dem Eingriff und der ärztlichen Vorgabe.
- Kein Ersatz für Nachbehandlung und Rehabilitation: Übungen, Kontrollen und ein stufenweiser Belastungsaufbau bleiben wichtig.
- Keine Garantie für einen bestimmten Verlauf: Genesung und Aufenthaltsdauer können individuell unterschiedlich sein.
Die passende Hüft- oder Knieprothese bleibt eine individuelle Entscheidung
Gelenksfitplus+ beschreibt den gesamten Behandlungsweg, nicht die Auswahl einer bestimmten Prothese. Ob etwa bei fortgeschrittener Hüftarthrose oder Kniearthrose überhaupt ein Gelenkersatz sinnvoll ist, hängt von Diagnose, Beschwerden, Alter, Aktivitätsniveau, Begleiterkrankungen und den individuellen Voraussetzungen ab. Ist eine Prothese angezeigt, kommen je nach Befund ein vollständiger Gelenkersatz, eine Teilprothese oder andere Verfahren infrage. Auch minimalinvasive Zugänge bei Hüftprothesen sowie Navigation oder Operationsroboter bei Knieprothesen werden nicht pauschal eingesetzt, sondern nach medizinischer Indikation gewählt.
Beratung zu Hüft- oder Knieprothese in Wien
Wenn Sie eine Hüft- oder Knieprothese erwägen, können Sie die Diagnose, mögliche Alternativen, das geeignete Operationsverfahren und den Ablauf der Rehabilitation in einer OP-Beratung in Ruhe besprechen. Das gilt auch, wenn Sie bereits eine Operationsempfehlung erhalten haben und eine Zweitmeinung wünschen.
Häufige Fragen (FAQ) zu Gelenksfitplus+
Was ist der Unterschied zwischen Gelenksfitplus+, Fast Track und ERAS?
Die Begriffe werden im Zusammenhang mit Gelenkersatz oft ähnlich verwendet. Gemeint ist ein abgestimmter Behandlungspfad, der die Erholung rund um die Operation unterstützt. ERAS ist die englische Abkürzung für „Enhanced Recovery After Surgery“. Gelenksfitplus+ ist die konkrete Programmbezeichnung am Evangelischen Krankenhaus Wien.
Ist Gelenksfitplus+ eine neue Operationsmethode?
Nein. Gelenksfitplus+ ist kein einzelnes Operationsverfahren. Es verbindet Vorbereitung, Anästhesie und Schmerztherapie, Operation, Pflege, Physiotherapie, Frühmobilisation und Entlassungsplanung zu einem standardisierten Ablauf.
Für welche Operationen wird Gelenksfitplus+ eingesetzt?
Das Programm wird am Evangelischen Krankenhaus Wien für geplante Hüft- und Knieendoprothetik eingesetzt. Welche Prothese und welches Operationsverfahren geeignet sind, wird unabhängig davon individuell entschieden.
Muss ich noch am Operationstag aufstehen?
Die Frühmobilisation ist ein wesentlicher Bestandteil. Sie beginnt am Operationstag, wenn der medizinische Zustand dies erlaubt. Kreislaufprobleme, Übelkeit, Schmerzen oder andere Gründe können eine Anpassung erforderlich machen.
Bin ich nach einer Gelenksfitplus+ ‑Operation schmerzfrei?
Nein, Schmerzfreiheit kann nicht versprochen werden. Ziel ist eine ausreichend wirksame, individuell abgestimmte Schmerztherapie, damit Bewegung möglich ist und Nebenwirkungen möglichst gering gehalten werden.
Bedeutet Gelenksfitplus+, dass ich am nächsten Tag nach Hause muss?
Nein. Es gibt keinen für alle verpflichtenden Entlassungstermin. Die Entlassung erfolgt, wenn medizinische und funktionelle Kriterien erfüllt sind und die weitere Versorgung geklärt ist.
Darf ich das operierte Bein sofort voll belasten?
Das lässt sich nicht allein aus dem Begriff Gelenksfitplus+ ableiten. Die erlaubte Belastung hängt vom Eingriff, der Stabilität der Versorgung und der individuellen ärztlichen Vorgabe ab.
Ist Gelenksfitplus+ auch für ältere Menschen möglich?
Ein höheres Alter allein ist kein automatischer Ausschlussgrund. Entscheidend sind Gesundheitszustand, Mobilität, Begleiterkrankungen und das persönliche Risiko. Der Behandlungspfad wird entsprechend angepasst.
Was kann ich selbst zur Vorbereitung beitragen?
Halten Sie sich an die konkreten Anweisungen des Behandlungsteams, geben Sie Medikamente und Vorerkrankungen vollständig an und klären Sie Unterstützung für die erste Zeit zu Hause. Welche Übungen oder weiteren Maßnahmen sinnvoll sind, sollte individuell besprochen werden.
Wo kann ich mich zu Gelenksfitplus+ und Gelenkersatz beraten lassen?
Priv.-Doz. DDr. Maximilian Kasparek, MSc berät in seiner Wahlarztordination im Med18 Ordinationszentrum, Theresiengasse 46/2, 1180 Wien. Operation und stationärer Behandlungspfad werden – sofern medizinisch angezeigt – am Evangelischen Krankenhaus Wien geplant.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung oder Beratung. Welche Behandlung, Operation, Belastung und Nachbehandlung geeignet sind, muss individuell festgelegt werden.
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