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Ski­fah­ren & Win­ter­sport mit Knie- oder Hüft­prothese | Tipps

Ski­fah­ren und Win­ter­sport mit Knie- oder Hüft­prothese: Was ist möglich?

Ein gut funk­tio­nie­ren­des neues Ge­lenk ist kein Grund, den Win­ter­sport zu mei­den. Wich­tig ist, auf den ei­ge­nen Kör­per zu hö­ren und rea­lis­tisch ein­zu­schät­zen, was mög­lich ist.

In­ter­view mit Priv.-Doz. DDr. Ma­xi­mi­lian Kas­pa­rek, MSc

Or­tho­päde, Pro­the­sen-Spe­zia­list, Sport­trau­ma­to­loge & Skilehrer

Viele Men­schen ha­ben Angst vor dem Ge­dan­ken, dass ein künst­li­ches Ge­lenk nö­tig sein könnte – oder sie ha­ben schlicht keine klare Vor­stel­lung da­von, wie die OP ab­läuft. Des­halb soll die­ser Bei­trag hel­fen, Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten ein rea­lis­ti­sches, be­ru­hi­gen­des Bild zu ver­mit­teln: Was kommt auf mich zu? Was kann ich selbst tun? Und wie fühlt sich der Weg nach der OP wirk­lich an?

Herr Dr. Kas­pa­rek, Sie sind so­wohl Pro­the­sen-Spe­zia­list als auch Ski­leh­rer. Hal­ten Sie Win­ter­sport mit Knie- oder Hüft­prothese grund­sätz­lich für mög­lich – oder eher für risikoreich?

Ich sehe Win­ter­sport nach Knie- oder Hüft­prothese als klar rea­lis­ti­sche Mög­lich­keit — un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen. Wich­tig sind eine sta­bile Mus­ku­la­tur und eine ver­nünf­tige Vor­be­rei­tung. Mit mo­de­ra­ter Be­las­tung und an­ge­pass­ter Tech­nik kön­nen viele Be­trof­fene – viel­leicht nicht gleich wie frü­her auf Wett­kampf­ni­veau, aber durch­aus mit Freude und Si­cher­heit – ak­tiv sein.

Viele Men­schen ha­ben nach der OP Angst, nie wie­der Ski­fah­ren oder Lang­lau­fen zu kön­nen. Wie be­wer­ten Sie diese Sorge?

Diese Sorge ist ver­ständ­lich, aber oft über­trie­ben. Die mo­derne En­do­pro­the­tik — mit prä­zi­ser Im­plan­ta­tion und Scho­nung von Mus­ku­la­tur — er­laubt eine sehr gute Be­weg­lich­keit und Sta­bi­li­tät. Wenn die Hei­lung ge­lun­gen ist, die Reha gut ver­lau­fen ist und keine an­de­ren Ri­si­ko­fak­to­ren be­stehen — dann gibt es viele Pa­ti­en­ten, die durch­aus ski- oder tou­ren­taug­lich sind. Wich­tig ist rea­lis­ti­sche Er­war­tung: Tech­nisch an­spruchs­vol­ler Win­ter­sport, wie steile Pis­ten oder sehr un­ru­hi­ger Un­ter­grund, blei­ben eher vor­sich­tig zu bewerten.

Wel­che Win­ter­sport­ar­ten hal­ten Sie für Pro­the­sen­trä­ger am ehes­ten für ge­eig­net — und wel­che eher weniger?

Ins­be­son­dere ge­lenk­scho­nende Va­ri­an­ten sind eine gute Wahl: Lang­lau­fen, Schnee­schuh­wan­dern, sanfte Pis­ten­tou­ren in mo­de­ra­tem Ge­lände. Auch Eis­lau­fen ist mög­lich – al­ler­dings mit Ein­schrän­kun­gen: Wer be­reits si­cher auf dem Eis stand, ein gu­tes Gleich­ge­wicht hat und sich vor­sich­tig be­wegt, kann durch­aus wie­der Freude am Eis­lau­fen fin­den. Für Neu­ein­stei­ger oder bei Gang­un­si­cher­heit rate ich eher ab, da die Sturz­ge­fahr er­höht ist.
Ro­deln kann eben­falls eine Op­tion sein – aber eher in kon­trol­lier­ten Bah­nen mit we­nig Ge­fälle, nicht in stei­lem, un­ge­si­cher­tem Ge­lände. Wich­tig ist eine sta­bile Sitz­hal­tung, gut funk­tio­nie­rende Brems­tech­nik und die Ver­mei­dung ab­rup­ter Be­we­gun­gen beim Auf- oder Absteigen.
Ski­fah­ren mit kon­trol­lier­ten Pis­ten, ge­mä­ßig­tem Tempo und an­ge­pass­ter Tech­nik ist mög­lich — bei gu­ter Vor­be­rei­tung. Ri­si­ko­reich sind steile Ab­fahr­ten, rup­pige Pis­ten, Sprünge oder sehr un­ru­hi­ger Un­ter­grund — dort rate ich zur Vor­sicht oder zu Alternativen.

Wann darf man aus Ih­rer Sicht nach ei­ner Knie- oder Hüft­prothese wie­der auf die Skier bzw. Lang­lauf-Skates steigen?

Das hängt von meh­re­ren Fak­to­ren ab: Hei­lungs­ver­lauf, Mus­kel­auf­bau, Ge­lenk­sta­bi­li­tät und Rück­spra­che mit dem be­han­deln­den Arzt. Als gro­ber Richt­wert: Wenn der Phy­sio­the­ra­peut das Knie oder die Hüfte sta­bil be­wer­tet, mus­ku­lär aus­rei­chend auf­ge­baut ist und keine Schmer­zen be­stehen — dann ist ein vor­sich­ti­ger Wie­der­ein­stieg oft mög­lich. Ich emp­fehle aber, die ers­ten Schnee­tage mit leich­te­ren Tou­ren zu be­gin­nen, Tech­nik zu tes­ten und Be­las­tung lang­sam zu steigern.

Was ra­ten Sie sport­li­chen Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten, die mög­lichst bald wie­der auf die Piste möchten?

Ge­duld, gute Vor­be­rei­tung und rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung. Wich­tig sind eine kräf­tige Bein- und Rumpf­mus­ku­la­tur, gu­tes Gleich­ge­wicht und Ko­or­di­na­tion — idea­ler­weise über ein ge­ziel­tes Trai­nings­pro­gramm vor der Sai­son. Tech­nik ist fast wich­ti­ger als Kraft: Eine sau­bere Hal­tung, sau­be­res Fah­ren, be­wusste Knie- und Hüft­be­we­gung und Ver­mei­dung über­mä­ßi­ger Dreh- oder Stauch­be­las­tung sind entscheidend.

Gibt es be­stimmte Be­din­gun­gen auf der Piste oder beim Win­ter­sport, bei de­nen Pro­the­sen­trä­ger be­son­ders auf­pas­sen sollten?

Ja — un­ru­hi­ger oder ei­si­ger Un­ter­grund, schwe­rer nas­ser Schnee, Bruch­harsch, steile Ab­fahr­ten oder un­re­gel­mä­ßi­ges Ge­lände beim Tou­ren­ge­hen er­hö­hen das Ri­siko. Auch län­gere Be­las­tung ohne Pau­sen kann pro­ble­ma­tisch sein. Ich emp­fehle, auf gute Aus­rüs­tung zu ach­ten — feste, gut pas­sende Ski- oder Lang­lauf­schuhe, ggf. stock­stän­dige Stüt­zen fürs Gleich­ge­wicht, und sich be­wusst für ein­fa­che Ge­lände entscheiden.

Wie wich­tig ist phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Nach­sorge und ge­ziel­tes Trai­ning vor dem Wie­der­ein­stieg in den Wintersport?

Sehr wich­tig — das ist aus mei­ner Sicht eine der meist un­ter­schätz­ten Vor­aus­set­zun­gen. Mus­kel­auf­bau (Qua­dri­zeps, Ober­schen­kel­mus­ku­la­tur, Rumpf), Gleich­ge­wichts- und Ko­or­di­na­ti­ons­trai­ning, ge­wohnte Be­we­gungs­mus­ter und sta­bile Ge­lenk­füh­rung sind ent­schei­dend. Ich emp­fehle ge­ziel­tes Trai­ning über Wo­chen, nicht nur kurz vor der Sai­son — das ver­bes­sert Si­cher­heit und re­du­ziert Ri­siko von Fehl­be­las­tung oder ver­meid­ba­ren Überlastungen.

Ha­ben Sie per­sön­lich Fälle er­lebt, bei de­nen Pa­ti­en­tin­nen oder Pa­ti­en­ten nach Pro­these wie­der er­folg­reich in den Win­ter­sport ein­ge­stie­gen sind?

Ja, viele. Be­son­ders in Er­in­ne­rung bleibt mir ein Pa­ti­ent, der nach ei­ner Hüft­prothese nach Jah­ren wie­der mit Freude und Si­cher­heit Ski­tou­ren ge­macht hat — mit Rück­sicht, an­ge­pass­ter Tech­nik und kla­rer Pla­nung. Sol­che Mo­mente zei­gen mir, dass En­do­pro­the­tik nicht das Ende der sport­li­chen Ak­ti­vi­tät be­deu­tet — son­dern ei­nen Neu­an­fang mit be­wuss­ter und mo­de­ra­ter Be­las­tung ermöglicht.

Was sa­gen Sie Men­schen, die noch un­si­cher sind – vor der Ope­ra­tion oder nach — und sich Win­ter­sport wünschen?

Ich sage: Re­den Sie ehr­lich über Ihre Ziele, aber auch über Ihre Er­war­tun­gen. Eine Pro­these kann vie­les er­mög­li­chen — aber sie ver­pflich­tet auch zu Acht­sam­keit. Mit gu­ter Pla­nung, rea­lis­ti­schen Zie­len und pro­fes­sio­nel­ler Be­glei­tung kann Win­ter­sport wie­der Teil Ih­res Le­bens wer­den. Es geht nicht darum, Leis­tung wie frü­her zu er­rei­chen — son­dern Le­bens­freude, Mo­bi­li­tät und Si­cher­heit zurückzugewinnen.

Wel­che Bot­schaft möch­ten Sie zum Schluss an alle ge­ben, die sich mit dem Ge­dan­ken tra­gen: Hüft- und Knie-Pro­these und Win­ter­sport – passt das zusammen?

Es passt – mit Ver­stand, Ge­duld und Re­spekt vor dem neuen Ge­lenk. Wer be­reit ist, sich vor­zu­be­rei­ten, rea­lis­tisch zu blei­ben und auf den Kör­per zu hö­ren, hat gute Chan­cen, wie­der Freude am Win­ter, an Be­we­gung und an Sport zu fin­den. Mit mo­der­nen Pro­the­sen und fach­kun­di­ger Be­treu­ung ist vie­les mög­lich – nicht so­fort wie­der Welt­cup-Ni­veau, aber ein er­füll­tes, ak­ti­ves Leben.


Sie ha­ben ein künst­li­ches Knie- oder Hüft­ge­lenk – und fra­gen sich, ob Win­ter­sport für Sie mög­lich ist?

Für in­di­vi­du­elle Be­ra­tung und Be­treu­ung stehe ich Ih­nen in mei­ner Wahl­arz­tor­di­na­tion im 18. Wie­ner Be­zirk gerne zur Ver­fü­gung. Ver­ein­ba­ren Sie ei­nen Ter­min, um Ihre sport­li­chen Ziele zu be­spre­chen und ge­mein­sam den bes­ten Weg zu finden.
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Wenn Ih­nen die­ser Ar­ti­kel ge­fal­len hat, könn­ten auch wei­tere Bei­träge aus un­se­rem Blog für Sie in­ter­es­sant sein.

Priv.Doz. DDr.
Maximilian Kasparek, MSc

haelsi Gesundheitszentrum
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