Knie

In­di­vi­du­elle, maß­ge­schnei­derte Knieprothese

Mo­derne Knie­pro­these – Warum In­di­vi­dua­li­sie­rung heute so wich­tig ist

Die mo­derne Knie­en­do­pro­the­tik hat sich in den letz­ten Jah­ren stark wei­ter­ent­wi­ckelt. Wäh­rend frü­her bei na­hezu al­len Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten die­selbe Stan­dard­aus­rich­tung ver­wen­det wurde, ste­hen heute zu­neh­mend in­di­vi­du­elle Be­hand­lungs­kon­zepte im Mittelpunkt.

Be­son­ders mo­derne Na­vi­ga­tion, com­pu­ter­ge­stützte Prä­zi­si­ons­tech­no­lo­gien und mo­derne Operations­roboter er­mög­li­chen heute eine deut­lich prä­zi­sere An­pas­sung an die per­sön­li­che Ana­to­mie je­des ein­zel­nen Men­schen. Ziel ist es, das Knie­ge­lenk mög­lichst na­tür­lich wie­der­her­zu­stel­len und ein har­mo­ni­sches Be­we­gungs­ge­fühl zu erreichen.

Dr. Ma­xi­mi­lian Kas­pa­rek be­schäf­tigt sich seit vie­len Jah­ren in­ten­siv mit per­so­na­li­sier­ten Knie­pro­the­sen und ver­öf­fent­lichte ge­mein­sam mit Prim. Univ.-Doz. Dr. Tho­mas Müll­ner und sei­nem For­schungs­team ak­tu­elle kli­ni­sche Da­ten im Jour­nal of Cli­ni­cal Me­di­cine (JCM). Im fol­gen­den In­ter­view er­klärt er ver­ständ­lich, wel­che Vor­teile mo­derne Tech­no­lo­gien bie­ten, für wen sie ge­eig­net sind – und wo ihre Gren­zen liegen.

Ein In­ter­view mit Priv.-Doz. DDr. Ma­xi­mi­lian Kas­pa­rek, MSc

Die in­di­vi­du­elle Knie­pro­these ver­ständ­lich erklärt

„Je­des Knie ist an­ders – und ge­nau das be­rück­sich­ti­gen wir heute“
Herr Dr. Kas­pa­rek, was ver­steht man ei­gent­lich un­ter ei­ner „individuellen Knieprothese“?

Frü­her wur­den Knie­pro­the­sen meist nach ei­nem sehr stan­dar­di­sier­ten Prin­zip im­plan­tiert. Ziel war fast im­mer ein voll­kom­men ge­ra­des Bein – un­ab­hän­gig da­von, ob je­mand ur­sprüng­lich eher ein O‑Bein oder X‑Bein hatte.

Heute wis­sen wir je­doch: Je­der Mensch hat eine ganz ei­gene Knie­ana­to­mie. Bein­achse, Ge­lenk­li­nie und Band­span­nung un­ter­schei­den sich oft deut­lich von Per­son zu Person.

Eine mo­derne in­di­vi­du­elle Knie­pro­these be­deu­tet des­halb vor al­lem ein per­so­na­li­sier­tes Be­hand­lungs­kon­zept. Un­ser Ziel ist es, das Knie mög­lichst so wie­der­her­zu­stel­len, wie es vor der Ar­throse ein­mal war.

Da­bei hel­fen uns mo­derne Na­vi­ga­tion, com­pu­ter­ge­stützte Prä­zi­si­ons­tech­no­lo­gien, mo­derne Operations­roboter und prä­zise Planungssysteme.

Han­delt es sich da­bei um eine maß­ge­fer­tigte Prothese?

Nicht un­be­dingt. Meist ver­wen­den wir be­währte Stan­dard­im­plan­tate, die je­doch sehr prä­zise an die per­sön­li­che Ana­to­mie an­ge­passt werden.

Ent­schei­dend ist we­ni­ger die Pro­these selbst, son­dern die in­di­vi­du­elle Pla­nung und ex­akte Positionierung.

Mit mo­der­ner Na­vi­ga­tion, com­pu­ter­ge­stütz­ten Prä­zi­si­ons­tech­no­lo­gien und mo­der­nen Ope­ra­ti­ons­ro­bo­tern kön­nen wir heute die na­tür­li­che Bein­achse, Ge­lenk­li­nie und Band­span­nung deut­lich ge­nauer re­kon­stru­ie­ren als früher.


Un­ter­schied zur klas­si­schen Knieprothese

Worin liegt der wich­tigste Un­ter­schied zur klas­si­schen Knie­pro­these?

Der größte Un­ter­schied liegt in der Philosophie.

Frü­her wurde ver­sucht, je­des Knie nach dem­sel­ben Schema aus­zu­rich­ten. Heute ori­en­tie­ren wir uns stär­ker an der ur­sprüng­li­chen Ana­to­mie des Patienten.

Das Ziel ist nicht ein­fach ein „ge­ra­des Bein“, son­dern ein Knie, das sich mög­lichst na­tür­lich an­fühlt.
Viele Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten sa­gen nach der Ope­ra­tion:
„Ich denke im All­tag kaum noch an mein künst­li­ches Knie.“

Ge­nau das be­schreibt auch der so­ge­nannte For­got­ten Joint Score – ein wis­sen­schaft­li­cher Mess­wert da­für, wie na­tür­lich sich ein künst­li­ches Ge­lenk anfühlt.

Be­trifft der Un­ter­schied eher die Pla­nung oder auch die Ope­ra­tion selbst?

Bei­des.

Die mo­derne Knie­pro­the­tik be­ginnt be­reits vor der Ope­ra­tion mit ei­ner sehr ge­nauen Ana­lyse der individuellen Anatomie.

Wäh­rend der Ope­ra­tion un­ter­stüt­zen uns mo­derne Na­vi­ga­tion und mo­derne Operations­roboter da­bei, die ge­plante Po­si­tion äu­ßerst prä­zise umzusetzen.

Da­durch müs­sen wir die Bän­der oft deut­lich we­ni­ger ver­än­dern als frü­her, als das Bein häu­fig in eine un­na­tür­lich ge­rade Achse ge­bracht wurde. Das macht den Ein­griff in vie­len Fäl­len schonender.

Än­dert sich da­durch auch die Im­plan­ta­tion selbst?

Ja.

Bei der klas­si­schen Tech­nik wur­den häu­fig stan­dar­di­sierte Kno­chen­schnitte durchgeführt.

Beim mo­der­nen ki­ne­ma­ti­schen be­zie­hungs­weise funk­tio­nel­len Ali­gnment ori­en­tie­ren wir uns stär­ker an den na­tür­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten des Pa­ti­en­ten. Die Kno­chen­schnitte wer­den in­di­vi­du­ell angepasst.

Da­durch blei­ben die na­tür­li­che Band­span­nung, Be­we­gungs­ach­sen und oft auch das Be­we­gungs­ge­fühl bes­ser erhalten.


Wel­che Vor­teile brin­gen mo­derne Na­vi­ga­tion und Operationsroboter?

Wel­che Vor­teile se­hen Sie in der Praxis?

Der wich­tigste Vor­teil ist aus mei­ner Sicht das na­tür­li­chere Kniegefühl.

Viele Pa­ti­en­ten be­rich­ten, dass sich das Knie sta­bi­ler, har­mo­ni­scher und we­ni­ger „künst­lich“ anfühlt.

Zu­sätz­lich be­ob­ach­ten wir häufig:

  • schnel­lere Mobilisation
  • ge­rin­gere Be­las­tung der Weichteile
  • we­ni­ger Ein­griffe an den Bändern
  • bes­sere Beweglichkeit
  • mehr Ver­trauen in das Knie
  • hö­here Zu­frie­den­heit im Alltag

Auch wis­sen­schaft­li­che Stu­dien zei­gen Ver­bes­se­run­gen bei Funk­tion, Ak­ti­vi­tät und Patientenzufriedenheit.

Geht es da­bei eher um Ge­nau­ig­keit, Pass­form oder Scho­nung der Weichteile?

Ei­gent­lich um al­les zusammen.

Mo­derne Na­vi­ga­tion und com­pu­ter­ge­stützte Prä­zi­si­ons­tech­no­lo­gien er­mög­li­chen heute eine sehr hohe Ge­nau­ig­keit bei der Im­plan­ta­tion, wie wir in un­se­rer Stu­die fest­stel­len konnten.

Das be­deu­tet für Pa­ti­en­ten häufig:

  • ex­akte Positionierung
  • ge­rin­gere un­nö­tige Belastung
  • we­ni­ger Ein­griffe an Bän­dern und Weichteilen
  • oft schnel­lere Erholung
Mer­ken Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten wirk­lich ei­nen Unterschied?

Viele ja.

Be­son­ders ak­tive Men­schen oder Pa­ti­en­ten mit ho­hen funk­tio­nel­len An­sprü­chen be­rich­ten häu­fig über ein na­tür­li­che­res Bewegungsgefühl.

Viele kön­nen im All­tag wie­der län­gere Stre­cken ge­hen, Trep­pen leich­ter be­wäl­ti­gen oder so­gar wie­der Sport treiben.

Na­tür­lich bleibt jede Knie­pro­these ein künst­li­ches Ge­lenk. Un­ser Ziel ist je­doch, dass sie sich mög­lichst we­nig da­nach anfühlt.


Für wen ist die in­di­vi­du­elle Knie­pro­these geeignet?

Gibt es auch Si­tua­tio­nen, in de­nen eine klas­si­sche Ver­sor­gung sinn­voll ist?

Ja.

Bei schwe­ren Band­in­sta­bi­li­tä­ten, kom­ple­xen Vor­ope­ra­tio­nen oder be­stimm­ten Fehl­stel­lun­gen muss in­di­vi­du­ell ent­schie­den wer­den, wel­che Tech­nik am bes­ten ge­eig­net ist.

Wich­tig ist: Nicht jede mo­derne Tech­no­lo­gie ist au­to­ma­tisch für je­den Pa­ti­en­ten die beste Lösung.

Ent­schei­dend blei­ben Er­fah­rung, sorg­fäl­tige Pla­nung und die rich­tige Aus­wahl des Verfahrens.


Ab­lauf der Behandlung

Wie läuft die Be­hand­lung kon­kret ab?

Zu­nächst er­folgt eine aus­führ­li­che Un­ter­su­chung mit ra­dio­lo­gi­scher Bildgebung.

Da­bei ana­ly­sie­ren wir un­ter anderem:

  • Bein­achse
  • Ge­lenk­li­nie
  • Band­span­nung
  • in­di­vi­du­elle Anatomie

An­schlie­ßend er­folgt die prä­zise Operationsplanung.

Wäh­rend der Ope­ra­tion ver­wen­den wir mo­derne Na­vi­ga­tion und mo­derne Operations­roboter, um die ge­plante Po­si­tio­nie­rung mög­lichst prä­zise um­zu­set­zen – ähn­lich wie ein GPS-Sys­tem für den Chirurgen.

Un­ter­schei­det sich der Ab­lauf für Pa­ti­en­ten von ei­ner Standardoperation?

Für Pa­ti­en­ten meist nur wenig.

Die Un­ter­schiede be­tref­fen vor al­lem die Pla­nung und die Prä­zi­sion wäh­rend der Operation.

Das Ziel bleibt im­mer gleich:      
eine si­chere Ope­ra­tion, mög­lichst we­nig Schmer­zen und eine schnelle Mobilisation.


Wis­sen­schaft­li­che Er­geb­nisse und Erfahrungen

Wie sind Ihre ei­ge­nen Er­fah­run­gen mit die­ser Technik?

Sehr po­si­tiv.

Wir se­hen häu­fig eine hohe Zu­frie­den­heit und ein sehr na­tür­li­ches Bewegungsgefühl.

Be­son­ders in­ter­es­sant ist, dass viele Pa­ti­en­ten ihr künst­li­ches Knie im All­tag deut­lich we­ni­ger wahrnehmen.

Un­sere wis­sen­schaft­li­chen Da­ten zei­gen au­ßer­dem Ver­bes­se­run­gen bei:

  • Schmer­zen
  • Funk­tion
  • Ak­ti­vi­tät
  • Le­bens­qua­li­tät
  • Pa­ti­en­ten­zu­frie­den­heit
Wel­che Er­geb­nisse zeigte die ver­öf­fent­lichte Studie?

Die Er­geb­nisse nach etwa ei­nem Jahr wa­ren sehr vielversprechend:

  • deut­li­che Ver­bes­se­rung des For­got­ten Joint Score
  • si­gni­fi­kant hö­here Ak­ti­vi­tät im Alltag
  • au­ßer­ge­wöhn­lich hohe Operationsgenauigkeit

Be­son­ders wich­tig war für uns die Kom­bi­na­tion aus ho­her Prä­zi­sion und ho­her Patientenzufriedenheit.


Ehr­li­che Ein­schät­zung aus ärzt­li­cher Sicht

Ist der Be­griff „in­di­vi­du­elle Knie­pro­these“ me­di­zi­nisch korrekt?

Teil­weise.

Oft wird der Be­griff ver­ein­facht verwendet.

Ei­gent­lich geht es we­ni­ger um eine „Spe­zi­al­pro­these“, son­dern viel­mehr um eine in­di­vi­du­elle Re­kon­struk­tion des Kniegelenks.

Die mo­derne Tech­nik er­mög­licht uns heute, deut­lich prä­zi­ser auf die per­sön­li­che Ana­to­mie ei­nes Pa­ti­en­ten einzugehen.

Wie er­klä­ren Sie Pa­ti­en­ten den Unterschied?

Ich sage mei­nen Pa­ti­en­ten im­mer ganz offen:

Eine mo­derne Knie­pro­these kann vie­les ver­bes­sern – sie er­setzt aber kein na­tür­li­ches Knie zu 100 Prozent.

Der große Fort­schritt liegt darin, dass wir heute in­di­vi­du­el­ler, prä­zi­ser und scho­nen­der ar­bei­ten kön­nen als früher.

Da­durch füh­len sich viele mo­derne Knie­pro­the­sen na­tür­li­cher an und funk­tio­nie­ren im All­tag oft besser.

Aber auch mo­derne Ver­fah­ren ha­ben Grenzen.

Wel­che Miss­ver­ständ­nisse gibt es häufig?

Viele glau­ben, dass eine mo­derne Knie­pro­these au­to­ma­tisch voll­stän­dig maß­ge­schnei­dert ist.

In Wirk­lich­keit ist die prä­zise in­di­vi­du­elle Pla­nung oft wich­ti­ger als die Pro­these selbst.

Ein wei­te­res Miss­ver­ständ­nis ist, dass mo­derne Operations­roboter oder Na­vi­ga­tion den Chir­ur­gen ersetzen.

Das stimmt nicht.

Die Tech­no­lo­gie ist ein wich­ti­ges Werk­zeug – ent­schei­dend blei­ben Er­fah­rung, Fach­wis­sen und sorg­fäl­tige Planung.


Fa­zit: Mo­derne Knie­pro­these be­deu­tet mehr Individualisierung

Die in­di­vi­du­elle Knie­pro­these mit mo­der­ner Na­vi­ga­tion, com­pu­ter­ge­stütz­ten Prä­zi­si­ons­tech­no­lo­gien und mo­der­nen Ope­ra­ti­ons­ro­bo­tern steht für ei­nen wich­ti­gen Fort­schritt in der Knieendoprothetik.

Nicht mehr die­selbe Stan­dard­lö­sung für alle Pa­ti­en­ten steht im Mit­tel­punkt, son­dern die mög­lichst na­tür­li­che Wie­der­her­stel­lung der individuellen Anatomie.

Ak­tu­elle wis­sen­schaft­li­che Da­ten zeigen:

  • hohe Prä­zi­sion
  • hohe Pa­ti­en­ten­zu­frie­den­heit
  • bes­sere Ak­ti­vi­tät im Alltag
  • ein na­tür­li­che­res Kniegefühl

Gleich­zei­tig gilt:
Auch mo­derne Tech­no­lo­gien müs­sen kri­tisch be­wer­tet wer­den. Lang­zeit­da­ten wer­den in den kom­men­den Jah­ren zei­gen, wel­che Vor­teile lang­fris­tig be­stehen bleiben.

Schon heute deu­tet je­doch vie­les dar­auf hin, dass die per­so­na­li­sierte Knie­pro­the­tik ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung na­tür­li­che­rer und pa­ti­en­ten­freund­li­che­rer Knie­ope­ra­tio­nen ist.

In­di­vi­du­elle Knie­pro­these in Wien
Die Ent­schei­dung für eine Knie­pro­these sollte im­mer in­di­vi­du­ell ge­trof­fen wer­den. In mei­ner Wahl­arz­tor­di­na­tion in Wien nehme ich mir Zeit für eine ge­naue Ab­klä­rung und eine per­sön­li­che The­ra­pie­emp­feh­lung. Mo­derne, per­so­na­li­sierte Knie­pro­the­tik er­mög­licht es, die Ope­ra­tion mög­lichst ex­akt auf Ihre Ana­to­mie, Ihre Be­schwer­den und Ihre Be­we­gungs­ziele abzustimmen.

Ver­ein­ba­ren Sie jetzt Ih­ren Ter­min zur per­sön­li­chen Beratung.

 


Wenn Ih­nen die­ser Ar­ti­kel ge­fal­len hat, könn­ten auch wei­tere Bei­träge aus un­se­rem Blog für Sie in­ter­es­sant sein.

Priv.Doz. DDr.
Maximilian Kasparek, MSc

haelsi Gesundheitszentrum
im Achtzehnten
Theresiengasse 46/2
1180 Wien